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Einbruchschutz: Beratungsstelle des Offenburger Polizeipräsidiums gibt Tipps

Gehen Sie nicht auf Konfrontation mit dem Täter

  • Vor allem in der »dunklen Jahreszeit« ist die Stunde der Einbrecher gekommen. Auch in der ­Ortenau steigt jetzt die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle an. 	

    Lutz Stallknecht/pixelio.de

Da die Zahl der Wohnungs- und Hauseinbrüche nicht nur jetzt in der »dunklen Jahreszeit« zunimmt, rät Ralf Kaufmann von der polizeilichen Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Offenburg zu einem umfassenden Schutz. Der Mittelbadischen Presse stand er zum Thema Rede und Antwort.

Wie hoch ist die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche deutschlandweit und in Baden-Württemberg?
Ralf Kaufmann: In Deutschland stieg die Zahl der sogenannten Wohnungs-
einbruchsdiebstähle in den vergangenen neun Jahren kontinuierlich: Im Vergleich zu 2014 (152 123) zählte die Statistik im Jahr 2015 167 136 Einbrüche (Plus: 9,9 Prozent). Dies ist ein Höchststand seit 15 Jahren. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg ging 2015 dagegen um knapp zehn Prozent auf 12 255 Fälle (2014: 13 483) zurück.
 
Wie haben sich die Zahlen in der Ortenau entwickelt?
Kaufmann: Verlässliche Zahlen sind auf der Homepage des Polizeipräsidiums unter dem Bereich Statistiken nachzulesen (siehe URL am Textende, Anmerkung d. Red ). Im Ortenaukreis stieg die Zahl der Einbrüche von 453 im Jahr 2014 auf 457 im vergangenen Jahr. Und auch die Tendenz für das erste Halbjahr 2016 ist im Bereich des Polizeipräsidiums, der den Ortenaukreis und den Landkreis Rastatt umfasst, eher steigend.
Die Tage werden kürzer. Ist mit einem deutlichen Anstieg von Haus- und Wohnungseinbrüchen zu rechnen?
Kaufmann:Erfahrungsgemäß gibt es in der »dunklen Jahreszeit« – November bis März – einen deutlichen Anstieg der Wohnungseinbruchskriminalität.
Erhöhen sich bei Ihnen demnach auch die Anfragen nach einer Präventionsberatung? 
Kaufmann: Ja, die Nachfrage nach sicherheitstechnischen Beratungen ist bereits jetzt im Oktober deutlich spürbar.
Zusätzlich zu mechanischen Sicherungen geht der Trend deutlich hin zu elektronischen Lösungen. Auf was sollte bei der Wahl geachtet werden?
Kaufmann: Eine Einbruchsmeldeanlage sollte zuverlässig und möglichst frei von Falschalarmen arbeiten. Deshalb sollte bei der Auswahl von Produkten auf eine VDS-Prüfung sowohl der Einzelkomponenten, als auch des ganzen Systems geachtet werden. Auf der Homepage des Polizeipräsidiums Offenburg (siehe URL am Textende) existiert eine Liste von geprüften Errichterfirmen die das nötige Fachwissen für den Einbau von Einbruchmeldeanlagen mitbringen.

Thema Videoüberwachung: Was ist erlaubt, was nicht? Werden die Aufnahmen vor Gericht zugelassen? 
Kaufmann: Die Installation und Verwertbarkeit privater Videoüberwachung, beziehungsweise von Aufnahmen,  richtet sich nach dem Datenschutzgesetz. Die private Videoüberwachung darf nicht das Nachbargrundstück und auch nicht den öffentlichen Bereich überwachen. Die Aufnahmen können aber unter bestimmten Voraussetzungen verwertet werden.
Empfehlen Sie die Überwachung durch Videokameras und für wen?
Kaufmann: Für einen sinnvollen Einbruchschutz empfehlen wir eher die mechanische Nachrüstung von relevanten Fenstern und Türen.
Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich das Klirren einer Scheibe oder verdächtige Geräusche vom Nachbargrundstück her höre?
Kaufmann: Versuchen Sie zunächst telefonisch mit dem Nachbarn in Kontakt zu treten. Beobachten Sie das Geschehen aus sicherem Abstand und rufen Sie im Zweifelsfall die Polizei zu Hilfe. Notieren Sie sich gegebenenfalls verdächtige Kennzeichen und prägen Sie sich die Beschreibung eventueller Täter ein.
Wie verhalte ich mich, wenn ich vermute, dass ein Einbrecher im Haus ist? 
Kaufmann: Gewalt in Verbindung mit einem Einbruchdelikt ist äußerst selten. Trotzdem sollte man nicht versuchen, auf Konfrontationskurs mit dem oder den Täter(n) zu gehen. Denn Eigensicherung ist das oberste Ziel. Machen Sie sich bemerkbar – zum Beispiel durch Licht – und rufen Sie von einem gesicherten Bereich aus die 110 an. 
Prägen Sie sich bei Sichtkontakt zudem die Beschreibung der oder des Täter(s), beziehungsweise des Täterfahrzeugs ein. Am Ende: Warten Sie das Eintreffen der Polizeibeamten ab.
Wenn ich Opfer geworden bin – wer hilft mir bei der psychischen Bewältigung?
Kaufmann: Folgen traumatischer Erlebnisse sollte man von Fachleuten behandeln lassen, beispielsweise über die Vermittlung durch den Hausarzt. Hilfestellung kann Ihnen in einem solchen Fall aber auch der »Weiße Ring« oder eine andere Hilfseinrichtung in Ihrer Stadt geben.

Weitere Infos:
 www.bo.de/wa/ZVS; www.bo.de/wa/ZVT

Beratung und Adressen:
Damit es gar nicht erst zum Wohnungseinbruch kommt, ist Polizeikommissar Ralf Kaufmann von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Referat Prävention am Polizeipräsidium in Offenburg, erster Ansprechpartner. Der Experte kommt vor Ort und berät kostenlos. Wichtig: Auch Opfer von Einbrüchen können sich an die Beratungsstelle wenden.
Für Terminabsprachen ist die Beratungsstelle unter • 0781/21 45 15 (bitte auf das Band sprechen, es erfolgt auf jeden Fall ein Rückruf) oder per E-Mail an ralf.kaufmann@polizei.bwl.de zu erreichen.
Weitere hilfreiche Informationen gibt es auch im Internet unter: 
www.k-einbruch.de
www.polizei-dein-partner.de
www.nicht-bei-mir.de
www.polizei-beratung.de