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Ein Teppich darf nichts kaschieren

Home-Staging: Ab wann geht Aufpeppen in Täuschung über?

  • Es spricht nichts dagegen, ältere Häuser oder Wohnungen für den Verkauf zeitgemäß zu möblieren. Schäden allerdings dürfen nicht überdeckt werden. Foto: allnatura/ep

    Es spricht nichts dagegen, ältere Häuser oder Wohnungen für den Verkauf zeitgemäß zu möblieren. Schäden allerdings dürfen nicht überdeckt werden....

Stilvolle Altbauwohnungen verkaufen sich in der Regel beinahe von selbst. Schlichtere Bestandswohnungen dagegen sind mitunter schwer an den Käufer zu bringen. Die Ausstattung ist oft einfach und meist recht abgewohnt. Um für solche Räume gute Preise zu erzielen, peppen immer öfter Makler und Verkäufer die schlichten Zimmer durch Home-Staging auf. Dabei wird die Wohnung mit kleinen Details wie etwa neuen, zeitgemäßen Möbeln, Accessoires und mehr aufpoliert.

Sandra Queißer, Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB), sieht das Aufpeppen der Altbauten skeptisch. »Nichts spricht dagegen, die Fenster zu putzen und die Zimmer aufzuräumen, aber sobald Home-Stager die Wohnung gezielt und lediglich für die Verkaufsphase schick ausstaffieren, kann das auch des Guten zu viel sein. Ein kleines Badezimmer beispielsweise wirkt mit einem großen Spiegel erheblich größer und heller. Flauschige Handtücher, in den gerade angesagten Farben drapiert, sollten nicht von der meist veralteten Badausstattung ablenken«, so die Sachverständige. Im Prinzip sei dagegen wenig einzuwenden, sofern dabei nicht gezielt Problemzonen versteckt werden. »Sobald die Handtücher dazu dienen, geplatzte Fliesen zu verdecken, Bodenvasen Feuchteflecken an der Wand kaschieren und der Teppich gezielt die Löcher im Holzboden verbirgt, wird es aber bedenklich«, erläutert Queißer. Die Schwelle zur Täuschung sei dann schnell überschritten. »Kommt die Sache ans Licht, müssen die Verkäufer die Beseitigung der tatsächlichen Schäden bezahlen. Im Extremfall können die Käufer den Kauf sogar rückabwickeln«, erklärt VPB-Vertrauensanwalt Holger Freitag.

 Dem Ehrenkodex verpflichtet

 Die Rechtslage ist der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign (DGHR) natürlich nicht unbekannt. Und dass es schwarze Schafe gebe, sei auch klar, so die Vorsitzende Iris Houghton: »Wir freuen uns als Verband, dass Gutachter dieses Thema aufgegriffen haben, denn wir haben das gleiche Ziel: Der Verkauf einer Immobilie muss fair, transparent und ehrlich sein. Schwarze Schafe haben bei uns keinen Platz.« Deshalb habe sich die DGHR seit 2010 selbst einen Ehrenkodex gegeben, dem alle Mitglieder verpflichtet sind. Dieser untersagt unter anderem, wissentlich Baumängel zu ver-oder zu überdecken. »Unsere dem Verband angeschlossenen Home Stager fordern die Eigentümer auf, Baumängel vor dem Verkauf zu beheben oder darauf hinzuweisen«, erklärt Iris Houghton.

Faires und professionelles Home-Staging sei für alle ein Gewinn: »Käufer haben eine hohe Sicherheit, dass kein versteckter Mangel vorliegt, und können sich vorstellen, wie schön das Haus oder die Wohnung ist – wenn modern eingerichtet und beleuchtet. Verkäufer können ihre Zielgruppe genau ansprechen und verkürzen in vielen Fällen die Verkaufszeit. Da Menschen bereit sind, mehr zu investieren, wenn sie sich vorstellen können, schön eingerichtet in dem Objekt zu wohnen, kommen durch Home Staging oft bessere Verkaufspreise zustande. In leeren oder altmöblierten Immobilien können die meisten sich das nicht vorstellen«, erklärt Iris Houghton.

www.vpb.de

 www.dghr-info.de