Startseite News Wird die Testphase für die Einbahnstraße noch verhindert?
Heiße Debatte im Bauausschuss Achern

Wird die Testphase für die Einbahnstraße noch verhindert?

  • Matthias Heidinger

22.09.2020 |  Starker Gegenwind blies den Freien Wählern im Bauausschuss am Montag entgegen. Sie mussten ihren Antrag, die Hauptstraße in einer dreimonatigen Testphase zur Einbahnstraße in Richtung Sasbach umzugestalten, verteidigen. Sie waren allein auf weiter Flur, dabei hatte eine Ratsmehrheit aus Freien Wählern sowie Teilen der Grünen und der ABL am 18. Mai noch für diese Probestrecke gestimmt. 

Doch als es nun an die Details des Konzepts für die Testphase ging, änderten einige Stadträte ihre Meinung. Das Konzept wurde am Montag mit 3:8 Stimmen bei zwei Enthaltungen (darunter eine der Freien Wähler) abgelehnt. Falls der Acherner Gemeinderat am kommenden Montag dieses Konzept ebenfalls ablehnt, wäre die Einbahnstraßen-Testphase wohl gestorben (siehe Kommentar).

Die Präzisierungen des Konzepts waren für den Antrag bei der Straßenverkehrsbehörde nötig geworden, weil noch zu viele Fragen offen gewesen waren. Die Behörde steht der Einbahnstraße laut OB Klaus Muttach und Hans Heizmann vom städtischen Fachbereich skeptisch gegenüber, es wird eher eine höhere Gefährdung für Radfahrer gesehen. Sie favorisiere stattdessen (genau wie die Stadtverwaltung) die ebenfalls beschlossene Reduzierung auf Tempo 30 in der Hauptstraße, allerdings bei Verkehr in beide Richtungen. Dies würde faktisch ein Überholverbot für Radfahrer bedeuten und damit hohe Sicherheit, wenn Schutzabstände von 1,50 Metern zu Radfahrern gelten. Damit würde man auch die (erwachsenen) Radfahrer vom Gehsteig holen.

Nicht ohne Streifen

Konfrontiert mit den noch offenen Fragen hatten Gebhard Glaser und Rainer Ganter ihren Antrag präzisiert. So wollten die beiden Freien Wähler, dass die Radfahrer ohne Fahrbahnmarkierungen in beide Richtungen auf der Hauptstraße fahren können. Hans Heizmann machte aber klar, dass dies nicht gehe ohne beidseitige Fahrradschutzstreifen – genau wie auch in der Martinstraße, die nach Wunsch der Freien Wähler von der Hornisgrinde- bis zur Josef-Wurzler-Straße ebenfalls zur Einbahnstraße wird, nur eben in Richtung Fautenbach. Dass dort speziell im östlichen Bereich stark frequentierte Parkplätze am Straßenrand wegfallen würden, bedauerte selbst Rainer Ganter. CDU-Rat Karl Früh, der eine flammende Rede gegen die Einbahn-Pläne hielt, sah diese wegfallenden Parkplätze als immenses Problem.

Schließlich entschieden sich die Freien Wähler für die Schutzstreifen, die von Autos überquert werden dürfen. Auch sollte das Abbiegen von der Hauptstraße in die Seitenstraßen erlaubt bleiben (etwa in die Wilhelm-Schechter-Straße, die laut Karl Früh schon lange verkehrsberuhigt gehört). Die Bushaltestelle am Wilden Mann soll laut Freie Wähler in die Rosenstraße, die am Adlerplatz in die Kaiser-Wilhelm-Straße verlegt werden. Gerade letzteres bezeichnete Früh als unsinnig, handle es sich doch um eine erst unlängst teuer hergestellte barrierefreie Bushaltestelle. Insgesamt würde sich der Zugang zum ÖPNV durch die Einbahnstraße verschlechtern, sagte auch OB Muttach.

Minimum 30 000 Euro

Zwischen 30 000 und 50 000 Euro koste die Probephase. Die Freien Wähler wollen das aus dem Haushaltsposten für den Masterplan finanzieren. Die CDU- und die SPD-Fraktion hatten jeweils beantragt, Gelder für vorbereitende Maßnahmen zu verweigern. Da am Montag das gesamte Konzept abgelehnt wurde, musste über diese Anträge nicht mehr abgestimmt werden.

Auf die Frage, wie denn der Verkehr verträglich in Richtung Sasbach fahren soll, wenn die Hauptstraße für Großveranstaltungen gesperrt wird, sagte Glaser, dass es bisher auch über Umfahrungen geklappt habe. Außerdem glaube er nicht, dass so viele solcher Termine anstünden, wenn von Mai bis Juli, so sein Wunsch, die Testphase stattfinde. Laut Ganter und Glaser sei es einen Versuch wert, die Einbahnstraße zu testen, um zu sehen, ob sie, wie von ihnen prognostiziert, zu mehr Attraktivität, mehr Aufenthaltsqualität und zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr führt. Mit ihrem Vorstoß hatten sie nicht nur die Einzelhändler gegen sich aufgebracht, auch CDU, SPD und Manfred Nock (ABL) wetterten am Montag gegen die Idee. Muttach ist ebenfalls kein Befürworter, er führt unter anderem wie Nock die schlechte Öko-Bilanz durch mehr zu fahrende Umwege an.

„Das spaltet Achern“

Karl Früh erinnerte daran, dass eine Potenzialstudie von 2017 die Idee einer Einbahnstraße ausgeschlossen hatte. Laut Früh würde diese Einbahnstraße die Bevölkerung spalten wie in Oberkirch die Diskussion über die Fußgängerzone: „Das geht durch Familien. Das spaltet Achern. So etwas können wir uns sparen.“

Negativbeispiel Oberkirch

Manfred Nock warf den Freien Wählern vor, mit der Martin- und der Kaiser-Wilhelmstraße zwei weitere Hauptstraßen zu schaffen, wo er Schüler gefährdet sieht. Auch Nock führte Oberkirch als Negativbeispiel an: Dort sei die Innenstadt, die Achern in Qualität und Quantität der Geschäfte hinterherhinke, „totberuhigt“ worden. Nock: „Solche Zustände will ich hier nicht.“

Während Markus Singrün (SPD) neue Denkansätze forderte und manche Aspekte der Einbahnstraße als irrsinnig bezeichnete, nannte Cornelia Hummel (Grüne) die Debatte unsinnig, da es eigentlich nur darum gehen sollte, den Verkehr zu reduzieren und Klimaziele so bald als möglich zu erreichen.