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Hausacher Kaplanei wird Haus der Kultur für alle Bürger

  • Maria Benz

14.05.2019 | Die 2009 sanierte Fassade täuscht zwar darüber hinweg, doch das Kaplaneigebäude in der Hausacher Hauptstraße ist in marodem Zustand. Allerdings laufen in Hausach wie berichtet derzeit gleich mehrere Großprojekte, sodass die Stadt nicht die Mittel hat, sich dem Gebäude anzunehmen. 

Umso glücklicher ist Bürgermeister Wolfgang Hermann, dass Hans Jürgen Neumayer von der bekannten Hausacher Unternehmerfamilie Erich Neumayer vor zwei Monaten mit der Bitte auf ihn zukam, das Gebäude erwerben zu können, um es zu sanieren und danach der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Er wolle den Bürgern von Hausach etwas Gutes tun, ihnen Danke sagen und etwas zurückgeben, habe Neumayer sein Vorhaben begründet.

Ein Verwendungszweck war schnell gefunden. »Die Musikschule hat nicht genug Räume«, erklärte Hermann gestern bei einem Pressetermin. Deshalb sei vorgesehen, in der Kaplanei mehrere Unterrichtsräume für die Musikschule zu schaffen. Unter dem Dach soll auf 110 Quadratmetern ein großer Saal entstehen, der zudem für Ausstellungen, Lesungen, aber auch als Trauzimmer genutzt werden kann.

Lift ist Voraussetzung

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass das Dachgeschoss barrierefrei erreicht werden kann, betonte Neumayer. Deshalb hat Architekt Benjamin Schmider an der Rückseite des Gebäudes einen Aufzug eingeplant – ganz modern aus Glas, sodass er sich deutlich vom historischen Gebäude abhebt. Allerdings steht hinter den Plänen noch ein Fragezeichen, denn die Kaplanei steht unter Denkmalschutz. 

»Es hängt vom Denkmalamt ab«, machte Neumayer deutlich. Denn die Musikschule in der Kaplanei unterzubringen sei für ihn nur ein Teil des Vorhabens – fast noch größere Bedeutung für ihn habe der Saal im Dachgeschoss, da dieser weit mehr Menschen zugute kommen würde. Er will das Projekt nur dann in Angriff nehmen, wenn der Zugang mit dem Fahrstuhl realisiert werden kann.  

Drei Knackpunkte

Der Architekt will Fassade und Kubatur der Kaplanei erhalten, teilweise sollen die Räume im Inneren sogar wieder auf die ursprüngliche Struktur zurückgebaut werden. Schmider sieht jedoch drei Knackpunkte, die in Hinblick auf den Denkmalschutz kritisch werden könnten: Die Gesamtoptik, die durch den Fahrstuhl verändert würde, den erforderlichen Zugang vom Fahrstuhl ins Dachgeschoss sowie ein alter Kamin, der entfernt werden soll – geplant ist, das Gebäude später mit einer Wärmepumpe zu beheizen. 

Bereits heute steht ein Termin mit dem Denkmalamt an, bei dem sich herauskristallisieren könnte, ob das Projekt realisierbar ist. Bürgermeister Hermann versprach die Unterstützung der Stadt. »Man muss mit den Leuten reden und manchmal auch Kompromisse eingehen. Ich bin aber guter Hoffnung«, versicherte Neumayer.

Wenn die Signale positiv sind, will der Bürgermeister zeitnah einen Notartermin machen, um den Kauf zu besiegeln. Dann folgt das offizielle Baugenehmigungsverfahren, das wie Schmider erklärte, gut vier Monate dauern kann. Ziel sei, möglichst noch in diesem Jahr mit der Sanierung beginnen zu können.Die Bauzeit schätzt er auf etwa anderthalb Jahre. Zu den Kosten könne er noch nichts sagen.  »Bevor wir nicht die Zusage vom Denkmalamt haben, dass die Maßnahmen im Großen und Ganzen funktionieren, macht das keinen Sinn«, sagte Schmider. Nach der Sanierung will Neumayer die Kaplanei der Stadt schenken.