Startseite News Die Infrastruktur: Im Dorf ist fast alles zu haben
Serie zur Bürgermeisterwahl in Ottenhöfen (4)

Die Infrastruktur: Im Dorf ist fast alles zu haben

  • Stefan Bruder

11.07.2019 | Die Infrastruktur des Mühlendorfs kann sich für eine 3200-Einwohner-Gemeinde sehen lassen (siehe Hintergrund). »Wir sind da aktuell sehr gut aufgestellt«, sagt Bürgermeister Hans-Jürgen Decker. »Das bestätigen uns auch immer wieder die Gäste«, weiß der langjährige Gemeinderat der Freien Wähler, Otto Schnurr.

Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde mit der IHK Südlicher Oberrhein und den Einzelhändlern eine Studie, die »Standortampel Einzelhandel« vorgenommen, um anhand der Strukturen, des Alters und der Besitzverhältnisse der Betriebe Prognosen zu erhalten.

Kaufkraft bündeln

Dinge wie die Abstimmung der Öffnungszeiten wurden in den Arbeitskreisen des Workshops besprochen. »Letztlich wurde deutlich, dass wir am Thema Nahversorgung unbedingt dranbleiben müssen«, sagt der Bürgermeister, denn bloß 17 Prozent der vorhandenen Kaufkraft verbleiben demnach tatsächlich im Dorf. Decker: »Diese Quote wollen wir auf jeden Fall erhöhen, denn nur wenn die Bevölkerung das Angebot vor Ort auch nutzt, können die Einzelhändler tatsächlich weiterhin bestehen.«

Relativ breitgefächert ist das gastronomische Angebot (siehe Hintergrund). Die Situation der Betriebe sei wegen der Rahmenbedingungen aber sicherlich nicht einfach. Decker nennt da das Arbeitszeitgesetz, den Fachkräftemangel oder die unattraktiven Arbeitszeiten. Annähernd 300 000 Tagestouristen pro Jahr stellen für Ottenhöfen aber grundsätzlich ein gutes Potential an hungrigen Gästen dar.

Praxis seit 100 Jahren

Die ärztliche Nahversorgung ist laut Hans-Jürgen Decker derzeit auch noch gut aufgestellt mit einer Gemeinschaftspraxis Allgemeinmedizin, einem Zahnarzt, einer Apotheke, mit Heilpraktiker und Krankengymnastik. Hier gibt es also noch den Landarzt. »Gott sei Dank«, sagt Decker. Vor etwa zwei Jahren hatte allerdings auch ein Mediziner seine Zelte im Dorf abgebrochen, ein Nachfolger fand sich nicht. Die Praxis für Allgemeinmedizin feiert aktuell »ihr unglaubliches 100-jähriges Bestehen«, weiß der Bürgermeister. Seit drei Generationen sei die Arztfamilie in Ottenhöfen ansässig. 

Ottenhöfen liegt im Oberen Achertal zwar inmitten der Natur, ist aber trotzdem über die L 87 sehr gut an die A 5 angebunden. Der durchgängige Geh- und Radweg wird Seebach, Ottenhöfen und Kappelrodeck wohl ab 2021 mit Achern verbinden.
»Klar verbesserungswürdig« ist laut Otto Schnurr der ÖPNV, zumal Ottenhöfen Nationalparkgemeinde ist. »Wer von Straßburg zu uns Zug fahren will, muss in Kehl, in Appenweier und nochmal in Achern umsteigen. Das muss besser werden«, fordert er.

Baulücken schließen

Die Baulücken im Ort konnten in jüngster Vergangenheit zum Teil geschlossen werden, sagt Decker. Dazu hätten Bebauungsplananpassungen wie im Bereich Hübschberg-Wolfsmatt oder Sauerberg II maßgeblich beigetragen. Mit manchen Grundstückseigentümern konnte Decker auch eine Innerortsbebauung auf den Weg bringen, sagt er.

In den Außenbereichen schufen Satzungen etwa am Blöchereck, Buchwald oder Winterseite Baumöglichkeiten. »Innen- und Außenentwicklung sind für unsere Gemeinde im Blick zu halten«, unterstreicht der Bürgermeister. Die Gemeindeverwaltung soll Bauwillige unterstützen, um mit der zuständigen Baurechtsbehörde beim Landrats­amt ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.

Erklärtes Ziel von Decker ist es, auch neue Baugebiete zu erschließen. Gespräche mit Grundstückseigentümern und Behörden hätten bereits stattgefunden. Sobald noch offene Fragen geklärt sowie notwendige Gutachten oder Erkenntnisse über die Finanzierung vorliegen, werde die Öffentlichkeit unterrichtet, kündigt er gegenüber der ARZ an.

Und noch ein wichtiges infrastrukturelles Thema ist im Fokus der Verwaltung, obwohl es gar keine kommunale Aufgabe ist: glasfaserbasierte schnelle Internetanschlüsse. Sie gelten als die einzige zukunftsweisende Möglichkeit, alle Bürger mit schnellem Internet zu versorgen – ein wichtiger Standortfaktor. 2012 wurden mit Unterstützung des Landes fünf Kabelverzweiger in Furschenbach und Ottenhöfen mit Glasfaserkabel angebunden und zu sogenannten Outdoor-Dslams aufgerüstet, um in den Wohngebieten eine Datenversorgung mit bis zu 50 MBit/s zu erreichen, weiß Decker.

2017 ist Ottenhöfen der Breitband Ortenau GmbH & Co. KG zur Bündelung der gemeinsamen Interessen mit 45 weiteren Gemeinden und dem Ortenaukreis beigetreten. Sie soll die Infrastruktur einer Breitbandversorgung bauen, die sämtliche Bereiche des täglichen Lebens und des Arbeitsumfelds betrifft.

Leerrohre verlegen

Bei aktuell geplanten Kanalbaumaßnahmen im Bereich Wolfersbach, Langeck und Brach werden laut Decker Breitband-Leerrohre mitverlegt, was die Verbindung der Backbone-Leitung zu Lautenbach ausbaue. Solche Synergieeffekte seien gerade bei einer topographisch weitverzweigten Gemeinde wichtig. In der Erde unter dem ersten Bauabschnitt des Geh- und Radwegs von Seebach nach Ottenhöfen liegen daher auf einem Kilometer Rohre zur Anbindung an das Netz des »Breitbandprojekts Mittelbaden« in Seebach.