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Dem Bauausschuss vorgestellt

Das Dorfzentrum Önsbach steht auf dem Prüfstand

  • Andreas Cibis

07.05.2020 | Was hat es mit dem Dorfzentrum Önsbach auf sich? Wie hat sich das Projekt entwickelt? Roland ‚Hildebrand vom Bürgerverein Önsbach stellte das Exposé zum Wettbewerb für das Dorfzentrum am Montag dem Bauausschuss vor. Ortsvorsteherin und Stadträtin Christine Rösch erklärte sich vorsichtshalber befangen und nahm somit nicht an der anschließenden Beratung teil.

Mit der Schließung der Obstsammelstelle in Önsbach auf dem Gelände der Raiffeisenwarengenossenschaft im Jahr 2014 begannen Überlegungen, wie es mit dem Areal weitergehen könne und welche Bedeutung dies für Önsbach haben könne. 2015 gründete sich ein Bürgerverein. Die Nahversorgung und altersgerechtes Wohnen waren die Schwerpunkte, die man sich für das künftige Dorfzentrum vornahm. Auch Bank- und Postgeschäfte sollten dort stattfinden können. Und man habe, nach anfänglicher Ablehnung, die Ortsvorsteherin davon überzeugen können, dass auch die Ortsverwaltung in das neue Dorfzentrum umziehen solle, so Roland Hildebrand. 

Nicht realisierbar

Die ursprünglichen Ideen eines Dorfladens oder einer Bündelung der Hofläden seien im Endeffekt nicht zu realisieren gewesen, teils aus ökonomischen, teils aus organisatorischen Gründen. So wird inzwischen als alleinige Chance für die Nahversorgung die Ansiedlung eines rund 800 Quadratmeter großen Marktes gesehen. Penny und Netto haben sich dafür beworben. Roland Hildebrand verwies darauf, dass das Betreiben eines Marktes mit einer Bestandgarantie von 15 Jahren verbunden sei.

Auch die Idee von betreutem Wohnen und einer Pflege-WG wird nicht realisiert werden können. Es habe darauf „zu wenig Resonanz“ gegeben, so Roland Hildebrand. Nun werde eine Tagespflege favorisiert.

Das Önsbacher Projekt wurde beim Wettbewerb „Quartier 2020“ ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld von 55 000 Euro. Außerdem gab es weitere Fördermittel in Höhe von 69 000 Euro, so dass ein Architektenwettbewerb ausgerichtet werden konnte. 
Zwei Bürgerversammlungen fanden bereits zum Thema Dorfzentrum statt. Außerdem befassten sich Karlsruher Architekturstudenten in ihrer Masterarbeit mit dem Dorfzentrum Önsbach. Kritik gab es von einer Initiative der Anwohner. Man sei sich der Kritik der Anwohner bewusst und nehme diese ernst, betonte Roland Hildebrand. „Wir wünschen uns eine sachliche, zielführende Diskussion.“

Das Projekt Dorfzentrum Önsbach sei bislang eine Erfolgsgeschichte, so Karl Früh (CDU). Man wisse aber, dass es umstritten sei. Auf die Frage, ob es dringend sei, die Ortsverwaltung umzusiedeln, meinte Roland Hildebrand: „Das System funktioniert nur, wenn wir alles zusammenführen“.

„Ich hätte mir eine Vorstellung des Exposés schon früher gewünscht“, merkte Gebhard Glaser (Freie Wähler) an und sah auch die Wandlung des Projektes kritisch vom sozialen zum kaufmännischen Projekt. Der Prozess sei nun schon ziemlich fortgeschritten, aber die Räte wüssten „viel zu ­wenig.“

Kompromiss finden

Der Bürgerverein entwickle das Projekt. Die Idee werde vorgetragen und der Gemeinderat äußere sich dann zum Bebauungsplan, erklärte OB Klaus Muttach die Vorgehensweise. Bislang sei vom Bürgerverein noch kein Antrag auf Haushaltsmittel gestellt worden. „Wir können jetzt noch nicht abstimmen“, so OB Muttach.

„Man kann nur hoffen, dass es zwischen Bürgerinitiative und Bürgerverein zu einer konstruktiven Zusammenarbeit kommt“, betonte Jutta Römer (ABL). Die Önsbacher hätten sich die Aufgabe gestellt, ihrem Ort eine neue Identität zu geben.
Jens Günnewich (Grüne) lobte den Bürgerverein dafür, dass er sich des Themas Dorfzentrum angenommen hat. Auch er hofft, dass BI und Bürgerverein einen Kompromiss finden.

Für Markus Singrün (SPD) ist das Dorfzentrum „ein tolles Projekt“. Doch das Ganze habe sich nun anders entwickelt. Bei der Nahversorgung rede man von einem Discounter. Bei einem Genossenschaftsprojekt hätte nicht ein Gewinn erzielt werden müssen. „Die Genossenschaft hat über drei, vier Jahre Verluste eingefahren“, verwies Roland Hildebrand auf die Raiffeisengenossenschaft und das Ende in Önsbach.

Für OB Klaus Muttach ist das Önsbacher Projekt ganz im Sinne der Acherner Strategie, auf dezentrale Strukturen zu setzen.